NEUN#1 bei Jakob Kielgaß

Habe Jakob Kielgaß besucht, Kaffee mit ihm getrunken und ihn porträtiert, womit mein schönes neues Fotoprojekt NEUN nun offiziell anläuft: Ich besuche Künstlermenschen zu Hause, trinke Kaffee/Tee/whatever mit ihnen, porträtiere sie dort und dabei kommen neun Fotos und neun Antworten auf neun Fragen raus.

Jakob ist Schreiber, Vorleser, Fotograf und überhaupt einer der besten Menschen, die ich kenne. Aus dem Kaffee mit Fotos um die Mittagszeit wurde schnell ein ganzer Tag, viel nettes Reden, noch mehr Menschen und fast nicht versalzene One-Pot-Pasta am Abend.

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1. Wann bist du heute aufgestanden und was hast du als erstes gemacht?
Irgendwas gegen 11Uhr. Als erstes habe ich mir eine Zigarette gedreht, um sie zu dem danach gemachten Espresso zu rauchen.

2. Schreiben oder Fotografieren?
Schwer zu sagen. Beides ist Hinschauen und Geschichtenerzählen zugleich. Mal das Schreiben, mal das Fotografieren.

3. Was ist dein Lieblingswerk (Text oder Foto) von dir selbst und warum?
Momentan immer noch ein Haiku, »Haiku #18«, aus dem Winter ’14.
Der Gau(c)kler predigt:
Gartenzwerge zu Panzern!
Krieg liegt in der Luft.
Haikus sind spannend, weil sie so limitierend sind, 5 Silben – 7 Silben – 5 Silben, das macht sie wunderbar intensiv. Die wenigen Worte müssen so prägnant sein, dass sie zusammen möglichst viele Assoziationen freisetzen. Dieses Haiku ist vielleicht sowas wie ein Lieblingswerk für mich, weil es politisch(e Kunst) ist, weil es mir, gefühlt, gelungen ist, etwas Konkretes zu formulieren, das Fragen aufwirft. Fragen nach Tradition, Autoritätsgläubigkeit und unserem Umgang mit Geschichte. In seiner Kürze weist es so über sich hinaus. Und ich mag es, weil es kontrovers ist.

4. Entscheidest du dich eher für das Richtige oder das Aufregende?
Das Aufregende ist doch meist das Richtige, oder mir gelingt es immer (mal) wieder, das Aufregende zum Richtigen werden zu lassen.

5. Was machst du in zehn Jahren bestenfalls? Was schlechtestenfalls?
Bestenfalls kann ich es mir weiterhin erlauben, intensiv zu leben. Ganz hedonistisch gedacht: Spontaneität, Rauchen, Schreiben, Kaffee, Zeit im Bett, Zeit für wahrnehmende Gespräche und fürs Grübeln, für Reisen und Begegnungen haben dürfen. Weiter getrieben sein und auch an allem zweifeln zu können. Aber nicht aus der Gesellschaft zurückgezogen, sondern durchaus mit politischem Handeln.
Schlechtestenfalls bin ich an Grenzen gesellschaftlicher Wirklichkeiten resigniert und mache nichts.

6. Du musst dein Alter ändern. Lieber noch mal 18 oder lieber schon 36?
Lieber 36. Bis hierher war’s schon spannend und mit 36 werde ich bestimmt noch weitere merkwürdige Erfahrungen gesammelt haben, die dann ja quasi jetzt schon Teil von mir wären.

7. Du musst Kunst oder Liebe für immer aufgeben. Wie entscheidest du dich?
Kunst braucht immer Liebe und Liebe ist immer auch Kunst. Wenn ich eines aufgeben müsste, müsste ich das andere wohl mitaufgeben. Das klingt wenig praktikabel, aber das eine ohne das andere will ich mir nicht vorstellen.

8. Mit wem würdest du gern mal einen Tag verbringen und warum?
Ein Tag ganz entspannt mit meinem Paps. Weil er ein wunderbarer, starker Mensch (für mich) ist, da noch einige gute Geschichten zu hören und zu erzählen sind und, weil das in den letzten Jahren ein wenig zu kurz gekommen ist.

9. Welche Frage fehlt noch und wie ist die Antwort?
Weil das hier doch multimedial ist: »Ein Song/ein Video zur Kunst?« – »›Künstler‹ von Reinald Grebe« (https://www.youtube.com/watch?v=foZZvRY7MpM)

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