NEUN#5 bei Flora Kofink

Lang genug hat’s gedauert, bis ich die nächste Ausgabe NEUN in die Kamera, auf den Laptop und endlich auch ins Netz gehievt habe. Dafür ist es aber, finde ich, auch eine besonders schöne geworden!

Flora habe ich vor Ewigkeiten kennengelernt, als sie im Rahmen ihres Freiwilligen Kulturellen Jahres (heißt das so?) mal einen Poetry Slam in Fulda organisiert hat. Das war sehr schön, es wurde gefilmt, es gab sehr gutes Essen und zwischendurch ist mehrmals der Strom ausgefallen. Dem Slam hat Flora nun schon lange den Rücken gekehrt (ich stelle mir das immer bildlich vor, mit Besen und so, aber das nur am Rande) und geht seitdem völlig im Grafikdesign auf. Als ich sie in ihrer WG in Mainz auf Kaffee, Smoothie und Tortellini besucht habe, war sie gerade dabei, ihre Abschlussarbeit – selbstverständlich selbst gestaltet und gesetzt – selbst zu binden. Ich habe sie ein bisschen dabei fotografiert und mir die vielen kleinen Schätze in ihrer Wohnung zeigen lassen.

NEUN bei Flora1. Wann bist du heute aufgestanden und was hast du als erstes gemacht?
Ich bin ungefähr eine Minute vor zehn panisch aufgewacht. Am Tag zuvor war ich einen Freund besuchen, der jetzt nach Amsterdam zieht und wie das so ist, ging es natürlich länger als geplant und natürlich hatte ich mir auch keinen Wecker gestellt – um 10 Uhr sollte jemand kommen, um mir ein paar Bücher abzukaufen, die ich gerade aussortiert hatte und Punkt zehn Uhr kam die Person auch – ich bin panisch ins Bad gerannt, hab mir die Zähne geputzt und mit verquollenem Schlafgesicht drei Bücher verkauft. Yeah!

2. Was ist unter deinem Bett?
Ein zweites Bett. Also eine Matratze.

3. Was ist dein Lieblingswerk von dir selbst und warum?
Mhhhh … das ist eine sehr, sehr schwierige Frage! Ich muss ehrlich gestehen, dass ich keine »Werke« mache, sondern eher Probleme löse – beispielsweise Kommunikationsprobleme. Daraus entstehen natürlich Arbeiten, aber ich würde diese anders betrachten als man im allgemeinen ein Kunstwerk definiert. Diese Arbeiten, die meistens ein Problem lösen, haben somit auch immer ein Ziel und eine Aufgabe zu lösen und können daher nur richtig oder falsch sein, was nicht heißt, dass ich sie deshalb besonders gern habe oder anders herum schlecht finde. Das wäre so der erste Punkt dazu. Der zweite ist, dass ich meistens, wenn ich an einem Projekt arbeite, sehr viel Zeit investiere und nachdem das Projekt abgeschlossen ist, keinen objektiven Bezug mehr dazu habe, weshalb ich dann für mich auch nicht mehr entscheiden kann, ob es jetzt mega gut aussieht oder ob ich damit zufrieden bin. Man kennt ja dieses Phänomen: Je länger man an etwas sitzt, desto mehr Fehler fallen einem auf. Deshalb würde ich sagen, ich habe kein »eines« Lieblingswerk, sondern viele Projekte und jedes ist richtig für den jeweiligen Moment.

4. Deine Wohnung brennt und du kannst genau einen Gegenstand retten. Welcher ist das?
Meinen Mac. Da ist absolut alles drin/drauf, was ich brauche – insbesondere für das Studium, mein Portfolio, Bilder, Dateien. Einfach alles. Andere Dinge brauche ich nicht unbedingt – vielmehr finde ich sogar, dass sie einen belasten und aufhalten, im Leben flexibel und unabhängig zu sein.

5. Was machst du in zehn Jahren bestenfalls? Was schlechtestenfalls?
Optimalerweise bin ich Professorin. Realistisch gesehen wohl eher in fünfzehn bis zwanzig Jahren. »Schlechtestenfalls« gibt es meiner Meinung nach nicht. Alles, was passiert, wird richtig sein und mich weiter bringen. Man darf nur nie sein Ziel aus den Augen verlieren.

6. Hörst du Musik beim Gestalten? Was für welche?
Ja, auf jeden Fall höre ich Musik! Es gibt verschiedene Phasen während des Gestaltens. Zuerst kommt die Aufgabe und damit ein Konzept. Dafür brauche ich Ruhe und Zeit, weshalb ich in dieser Phase absolut null Geräusch gebrauchen und ertragen kann. Nach der Konzeptphase kommen die ersten »Testversuche« – dafür höre ich mir meistens Indiemusik oder sehr positive, elektronische Festivalmusik an. Steht die Gestaltung und stimmt mit dem Konzept überein (was teilweise sehr lange dauern kann und viele Versuche und Scheitern beinhaltet), beginne ich mit dem eigentlich Gestalten nach den vorgebenden Attributen, dem Raster, der definierten Typografie, Farbe etc. Diesen Teil der Gestaltung empfinde ich als systematisches Abarbeiten – was einerseits eine hohe Konzentration erfordert, andererseits eben nach vorgegebenem Muster erfolgt. Dafür höre ich mir meistens Techno oder aber Deep-Techno an, sodass ich durch die Musik in eine Art Dauer-Trance-Zustand gelange, in dem ich effektiv und schnell arbeiten kann.

7. Du musst Kunst oder Liebe für immer aufgeben. Wie entscheidest du dich?
Für die Liebe. Das was ich mache, definiere ich als Design und nicht als Kunst. Ich selbst würde mich auch nie als Künstler bezeichnen, da Design immer eine Aufgabe hat, nämlich Informationen zu vermitteln (was Kunst zwar auch haben kann, aber nicht haben muss). Als Designer stehe ich immer vor der Herausforderung, Dinge für andere zu gestalten und für mich selbst das Interessante in der gestellten Aufgabe zu finden, sodass mir jede Aufgabe Spaß macht, mich herausfordert und natürlich dem entspricht, was sich der Kunde vorstellt.

8. Was ist deine schlechteste Eigenschaft?
Zweifel. Zweifel treiben einen weiter, lassen einen Konzepte, Ideen und Gestaltungen hinterfragen. Zweifel können aber auch zermürben und aufhalten. Man muss die Waage finden, zwischen weiterkommen und stehen bleiben.

9. Welche Frage fehlt noch und wie ist die Antwort?
»Was ist dein Lieblinstier? – »KATZEN. Ich liebe Katzen! Katzen waren schon da, als ich noch nicht laufen konnte und ich kenne kein Tier, das einerseits so zuckersüß, liebevoll, zart und trotzdem andererseits so störrisch, eigenwillig und charaktervoll sein kann. Irgendwie kann ich mich darin wiederfinden.

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